Trotz Nein an der Urne: Tieflohnpolitik hat keine Zukunft

20. Mai 2014   //   von Marco Kistler   //   Aktuell, Medienmitteilungen  //  Keine Kommentare

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund ist enttäuscht über die Ablehnung der Mindestlohn-Initiative. Eine Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger will das weitgehend unbestrittene Ziel fairer Löhne für alle lieber über den Weg sozialpartnerschaftlicher Verhandlungen statt durch das Gesetz erreichen. Auch wenn das Volksbegehren an der Urne gescheitert ist, hat die Diskussion gezeigt, dass Löhne unter 4000 Franken als unfair empfunden werden. Der SGB ist erfreut, dass zahlreiche Unternehmen und Branchen in den letzten Monaten ihre tiefsten Löhne über diese Grenze angehoben haben.

Die InitiantInnen konnten zu wenige Menschen davon überzeugen, dass ein gesetzlicher Mindestlohn die richtige Antwort auf das Tieflohnproblem ist. Das lag nicht zuletzt auch daran, dass es den Gegnern gelungen ist, mit einer regelrechten Angstkampagne faire Löhne und Arbeitsplatzsicherheit gegeneinander auszuspielen. Mit dem Angstmacher-Argument des Arbeitsplatzverlusts wurde ein längst überfälliger sozialer Fortschritt leider verhindert.

Dass dem Mindestlohn von 4000 Franken trotz des heutigen Urnenentscheids die Zukunft gehört, zeigen die Entwicklungen der letzten Monate bei Unternehmen wie Aldi, Lidl, H&M, Bata & Co. – aber auch die zahlreichen Verbesserungen der Mindestlöhne in Branchen wie dem Gartenbau, der Sicherheitsbranche, den Berner Bergbahnen, den FloristInnen, den Bäckereien und vielen weiteren mehr. Der Druck der Mindestlohn-Initiative hat nicht nur diesen Berufsleuten teilweise substanzielle Lohnerhöhungen gebracht. Die InitiantInnen sind erfreut, dass sich die 4000 Franken als Untergrenze für einen fairen Lohn etabliert haben. Das Tieflohn-Geschäftsmodell, das anständig zahlenden Firmen schadet, ist damit ein Auslaufmodell.

Der SGB wird an seiner Delegiertenversammlung vom Freitag 23. Mai eine Bilanz zur Mindestlohn-Initiative ziehen und die nächsten Schritte beschliessen, wie die Situation der 330‘000 Personen in der Schweiz mit Löhnen unter 22 Fr./Stunde verbessert werden kann. Klar ist schon jetzt, dass die Gewerkschaften fortfahren werden, Lohndumping-Firmen an den Pranger zu stellen. Sie fordern zudem die Mindestlohn-Gegner auf, ihrem Loblied auf die Sozialpartnerschaft auch Taten folgen zu lassen und über Gesamtarbeitsverträge und Mindestlöhne zu verhandeln.

Tiefe Löhne sinken. Jetzt braucht es den Mindestlohn!

28. Apr 2014   //   von Daniel Lampart   //   Aktuell, Medienmitteilungen  //  1 Kommentar

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Die am Montag veröffentlichten Lohnstrukturerhebung 2012 zeigt eine besorgniserregende Entwicklung: Zwischen 2010 und 2012 sind die Reallöhne der untersten 10 Prozent (Löhne unter 3886 Fr.) gesunken (-286 Fr./Jahr). Damit wird es ausgerechnet für jene Arbeitnehmenden noch härter, welche schon heute Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen. Betroffen sind Berufsleute in Branchen ohne Gesamtarbeitsverträge GAV (Detailhändler ohne GAV, Gartenbau, Callcenter u.a.). Bei den Kleider- und Schuhgeschäften beispielsweise haben Bund und Kantone Lohndumping nachgewiesen. Doch die Verbandspräsidenten dieser oft schwerreichen Detailhändler, Karin Keller-Sutter und Dieter Spiess, weigern sich, GAV mit schützenden Mindestlöhnen abzuschliessen.

Umso stossender ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund steigender Toplöhne. Die Reallöhne der obersten 10 Prozent der Arbeitnehmenden legten von 2010 bis 2012 erneut um 7,1 Prozent zu (+9901 Fr./Jahr). Damit hat sich die in der Schweiz in den letzten 15 Jahren festgestellte ungleiche Lohnverteilung in der Schweiz weiter verschärft. Diejenigen, welche hohe Löhne haben, erhalten noch mehr. Wer hingegen mit dem Lohn kaum über die Runden kommt, hat weniger.

Mit einem Ja zur Mindestlohn-Initiative kann diese Entwicklung gestoppt werden. Mit der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 22 Fr./Stunde würden die untersten Löhne gegen Lohndruck geschützt. Was für die Betroffenen ein grosser Fortschritt ist, bedeutet für die Schweizer Wirtschaft ein absolut tragbarer Schritt. Die gesamte Lohnsumme müsste um nur gerade 0,4 Prozent angehoben werden. Das Geld wäre vorhanden – wie der starke Anstieg der Toplöhne zeigt.

Sehr bedenklich ist auch der Umstand, dass sich die  Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern erstmals seit 2008 wieder vergrössert hat. Nahm die  Lohnungleichheit zwischen 2008 und 2010 immerhin noch um fast  ein Prozent ab, so ist sie gemäss der Lohnstrukturerhebung 2012 nun wieder um 0,5 Prozentpunkte auf 18.9 Prozent angestiegen. Bereits am Dienstag wird der SGB eine Studie über die Gründe der Lohndiskriminierung der Frauen vorlegen und aufzeigen, mit welchen Instrumenten Abhilfe geschaffen werden kann.

Mindestlöhne stärken die Berufslehre

26. Apr 2014   //   von Marco Kistler   //   Aktuell  //  Keine Kommentare

Von Andy Tschümperlin, Nationalrat SZ, Präsident der SP-Bundeshausfraktion 

Mehr als zwanzig Jahre habe ich auf der Sekundarstufe I junge Menschen ausgebildet, die zuerst ihre Berufswahl planten, dann den Berufseinstieg vollzogen. Nie habe ich während dieser Zeit erlebt, dass Jugendliche nach der obligatorischen Schulzeit gesagt hätten: „Ich will keine Berufsausbildung machen, ich möchte nur Geld verdienen.“ Für junge Menschen ist die Ausbildung wichtiger als Geld.

Kühn behaupten die Gegner der Mindestlohninitiative, dass mit der Mindestlohn-Initiative der Anreiz, eine Lehre zu absolvieren, verloren ginge. Genau das Gegenteil passiert. Mit der Mindestlohninitiative werden die Berufslehren aufgewertet.  Weiterlesen >>

Die Lehre muss sich lohnen

24. Apr 2014   //   von Daniel Lampart   //   Aktuell  //  1 Kommentar

„Ich heissä X. und bin glernti Detailhandelsfachfrau. Ich bin vor 5 Jahr us dä Lehr cho und richtig glücklich gsi, dass ich etz richtig Gäld chan verdiene. Leider hät sich das mitem faira Zahltag nie richtig bemärkbar gmacht und drum setz ich mich etz ih das die mindestlohn – initiative ahgno wird. Mir Detailhandelsfachlüt händ wie anderi au än wunderschönä aber au strängä Job und das söll au eus grächtfärtig zahlt sie, das es au eus zum läbä langet ohni dasmer immer s’gäld mönd zweimal cherä.“

Wie ungerecht die Verhältnisse sind, zeigt der Fall der Kleiderkette „Tally Weijl“. Die Besitzer der Firma haben gemäss Bilanz ein Vermögen von 250 bis 300 Millionen Franken. Ihren Verkäuferinnen und Verkäufern zahlen sie hingegen teilweise Löhne unter 4000 Franken.

Wenn die Mindestlohn-Gegner behaupten, die Mindestlohn-Initiative sei schlecht für die Lehre, sollen sie zuerst vor der eigenen Türe wischen. Mit der Lehre ist in der Schweiz das Versprechen verbunden, dass der Lohn in jeder Lebenssituation reichen sollte. Die Realität zeigt hingegen, dass das eine Illusion ist. Trotz Lehre reicht der Lohn auch für Einzelpersonen zum Teil kaum oder gar nicht zum Leben – geschweige denn, wenn noch Kinder dazu kommen.

Das Geld wäre vorhanden, um allen im Land einen einigermassen guten Lohn zu zahlen. Erst recht, wenn die betroffene Person eine Lehre gemacht hat. Es darf in der Schweiz nicht sein, dass Vollzeit-Beschäftigte Unterstützung durch Dritte oder sogar Sozialhilfe benötigen, um zu überleben. Oder wollen die Arbeitgeber um Frau Keller-Sutter allen Ernstes, dass die Allgemeinheit die reichen Detailhändler subventionieren soll?

Tiefe Löhne auf den Gipfeln

22. Apr 2014   //   von Kristina Schüpbach   //   Aktuell, Medienberichte  //  1 Kommentar

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Der SEV hat am Samstagmorgen an der Talstation der Parsenn-Bahn in Davos die Wintersportlerinnen und -sportler mit einem Flyer zur Mindestlohninitiative begrüsst. Er hat sie damit darüber informiert, dass die Löhne in der Bergbahnbranche zu den tiefsten in der Schweiz zählen. Dies trotz der Millionensubventionen, welche die öffentliche Hand aus Steuermitteln bei den Bergbahnen investiert.

Lese dazu hier den Artikel der Zentralschweiz am Sonntag

Faire Mindestlöhne stärken die Berufslehre

15. Apr 2014   //   von Marco Kistler   //   Aktuell  //  1 Kommentar

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Autorin: Rahel Imobersteg, vpod

Die Gegner und Gegnerinnen der Mindestlohninitiative behaupten, dass sich Jugendliche von einem Mindestlohn von 4000 Franken dazu verführen liessen, keine Ausbildung zu machen. Ihre Argumente sind bar jeder Vernunft. Die Berufsschullehrerkräfte im VPOD sprechen sich klar für die Mindestlohninitiative aus. Weiterlesen >>

Mindestlohn Aktionstag

15. Apr 2014   //   von Kristina Schüpbach   //   Aktuell, Fotos  //  Keine Kommentare

Letztes Wochenende fanden in der ganzen Schweiz Aktionen für die Mindestlohn-Initiative statt. Hier ein paar Impressionen:

 

Mehr Lohn – attraktivere Lehre

14. Apr 2014   //   von Daniel Lampart   //   Aktuell  //  Keine Kommentare

Im Abstimmungskampf zur Mindestlohninitiative tauchen teilweise ziemlich abstruse Argumente auf. Beispielsweise, dass es tiefe Löhne brauchen würde, damit alle einen Job haben. Bereits das Bespiel Schweiz zeigt, wie falsch das Argument ist. Die Schweiz hat weltweit im Durchschnitt höchste Löhne und eine der tiefsten Arbeitslosenraten. Denkt man das Argument konsequent zu Ende, müssten beispielsweise Länder wie Spanien oder Portugal eine tiefere Arbeitslosigkeit unter den tiefer qualifizierten Arbeitskräften haben die Schweiz. Denn der Tieflohnsektor ist in diesen Ländern anteilsmässig wesentlich grösser als in der Schweiz (Daten Eurostat). Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Portugal und Spanien haben wesentlich mehr Arbeitslose – auch wenn man die Konjunktureffekte – herausrechnet. Eine Gegenüberstellung von 24 europäischen Ländern zeigt keinen systematischen Zusammenhang zwischen der Grösse des Tieflohnsektors und der (strukturellen) Arbeitslosigkeit.

Hinter der Behauptung „tiefe Löhne = mehr Jobs für weniger Qualifizierte“ steht ein viel zu einfaches Bild des Arbeitsmarktes, bei welchem der Lohn der individuellen Produktivität entsprechen soll. Doch erstens ist die individuelle Produktivität schwer messbar – insbesondere wenn im Team gearbeitet wird. Zweitens hat nicht jeder für die gleiche Arbeit denselben Lohn. Beispielsweise verdient in der Reinigung: Ist jemand in einer Bank angestellt, welche Löhne gemäss Banken-GAV zahlt, so verdient er mindestens 50‘000 Fr./Jahr (bei Vollzeit). Arbeitet er hingegen für eine Reinigungsfirma, beträgt der Lohn mindestens rund 43‘000 Fr. (Vollzeit). Drittens gibt es Arbeitgeber, welche die Löhne drücken. Das zeigen beispielsweise die Berichte des Seco zu den Flankierenden Massnahmen. Für die gleiche Arbeit erhalten die Angestellten in „Dumpingfirmen“ weniger Lohn als anderswo.

Ziemlich abstrus ist auch das Argument, dass junge Erwachsene keine Lehre mehr machen würden, wenn alle mindestens 4000 Fr./Mt. verdienen. Denn bereits heute ist es einfach möglich, ohne Lehre 4000 Fr. und mehr zu verdienen. Im Bau wird beispielsweise für Hilfskräfte mehr als 4600 Fr./Mt. (x13) bezahlt. Dennoch machen die Jungen eine Lehre – weil sie etwas lernen und auch weil sie nicht als Hilfsarbeiter enden wollen. Schlimmer ist, dass viele, die eine Lehre gemacht haben, danach weniger als 4000 Fr. haben. Beispielsweise eine Schuhverkäuferin, welche die Sek abgeschlossen, danach eine dreijährige Lehre gemacht und Erfahrungen im Beruf gesammelt hat. Würden gelernte Verkäuferinnen 4000 Fr. verdienen, wäre das Argument für die Lehre.

Faire Löhne stärken die Schweiz

11. Apr 2014   //   von Stefan Rüegger   //   Medienmitteilungen  //  1 Kommentar

Umfrageergebnisse im Vorfeld von Abstimmungen sind mit grosser Vorsicht zu interpretieren. Das hat zuletzt der 9. Februar gezeigt. Dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund, seinen Mitgliedsverbanden und Partnerorganisationen bleibt nun ein guter Monat, um die Stimmberechtigten davon zu überzeugen, am 18. Mai zur Mindestlohn-Initiative ein Ja in die Urne zu legen und die Tieflohn-Schande zu beseitigen. Weiterlesen >>

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