Bisher unterschätzt: Tieflöhne in der reichen Schweiz weit verbreitet
Frauen und Arbeitnehmende mit Lehre besonders betroffen
Mehr als ein Drittel der Tieflohn-Beschäftigten haben eine Berufslehre absolviert. Der grösste Teil davon arbeitet im Detailhandel (37‘260). Diese Zahlen stellen der Schweizer Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik ein miserables Zeugnis aus. „Eine Berufslehre ist also keine Garantie mehr für eine Stelle mit einem anständigen Lohn“, kritisierte SGB-Präsident Paul Rechsteiner. Wie sollen Jugendliche so noch motiviert werden, eine Lehre zu absolvieren?
Besonders stark unter tiefen Löhnen leiden die Frauen. Sie sind fast drei Mal häufiger betroffen als die Männer (Tieflohnanteil der Frauen: 15,8 %; Männer: 6,1 %). Dieser im internationalen Vergleich markante Abstand zu den Männerlöhnen ist in hohem Ausmass auf die Lohndiskriminierung der Frauen in den Unternehmen zurückzuführen.
Die ersten 140 Anmeldungen auf dem Online-Tieflohnmelder der Unia (www.4000fr.ch) bestätigen die neuen Zahlen. Unia-Copräsidentin Vania Alleva schilderte eine schockierende Reihe gemeldeter Fälle. Ihr Fazit: „Tiefstlöhne sind eines der grössten sozialen Probleme der Schweiz. Der Handlungsbedarf ist riesig. Mit der Mindestlohninitiative liegt endlich ein guter Lösungsvorschlag auf dem Tisch.“
Die Analyse zeigt, dass die Schweiz die Lohnsituation der Betroffenen mit dem von der SGB-Initiative geforderten Mindestlohn von 22 Fr./h bzw. 4000 Fr./Mt. stark verbessern könnte, ohne Arbeitslosigkeit hervorzurufen. Bereits die internationale ökonomische Forschung zeigt, dass Mindestlöhne in Bezug auf die Arbeitslosigkeit grundsätzlich keine negativen Auswirkungen haben. Im Fall der Schweiz kommt dazu, dass die ausgeprägte Lohndiskriminierung und die hohe Betroffenheit der Berufsleute mit Lehre eine Lohnkorrektur durch einen Mindestlohn erlauben, ohne dass sich die Beschäftigungsaussichten verschlechtern.
BEITRÄGE DER PRESSEKONFERENZ
- Paul Rechsteiner, Präsident SGB: “Arbeit muss sich lohnen”
- Daniel Lampart, Chefökonom SGB: “Analyse der Tieflohnsituation in der Schweiz: Erwerbstätige mit Lehre und Frauen stark betroffen”
- Roman Graf, OUE, Universität Genf: Präsentation “Tieflöhne in der Schweiz”
- Vania Alleva, Co-Präsidentin Unia: “Tieflöhne: Ein 437’000-facher Skandal für die reiche Schweiz”
SGB-Mindestlohn-Initiative eingereicht! Weiterer Schritt im Kampf für sichere und anständige Löhne
Jetzt kann das Schweizer Volk selber Massnahmen zur Förderung von Gesamtarbeitsverträgen (GAV) sowie gegen Lohndumping und Tieflöhne beschliessen. Heute hat der Schweizer Gewerkschaftsbund mit seinen Verbänden und Partnerorganisationen die Volksinitiative „für den Schutz fairer Löhne (Mindestlohn-Initiative)“ mit über 111‘000 Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht.
- Medienmitteilung zur Einreichung
- Paul Rechsteiner, Präsident SGB: “Mindestlöhne stoppen Ungerechtigkeit!”
- Jacqueline Fehr, Nationalrätin und Vizepräsidentin SP: “Gerechte Löhne für alle statt für wenige”
- Vania Alleva, Mitglied der Geschaftsleitung Unia: “Schutz und Würde für alle Arbeitnehmenden”
- Dokumentation Mindestlohn-Initiative
Expertenbericht Mindestlöhne
Mindestlöhne haben in Europa und in der Schweiz Aufwind. Das ist das Ergebnis eines Expertenberichts des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds SGB, den dieser heute in Bern an einer Medienkonferenz vorgestellt hat. Das Dossier mit der Kurzfassung gibt es hier zum Download.
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Der Mindestlohn-Expertenbericht kann in Buchform (127 Seiten, Grafiken, Tabellen, s/w) bestellt werden.
Entweder mit einem Email an info@sgb.ch für Fr 12.50 oder im Buchhandel mit der ISBN 978-3905708806. |
- Kurzfassung
- Mindestlohnbericht, vollständige Fassung
- Communiqué SGB
- Umfrageergebnisse
- Paul Rechsteiner, Präsident SGB: “Mindestlöhne in der Schweiz: Ein dringend notwendiger und populärer Schritt in eine erfolgreiche Zukunft!”
- Daniel Lampart, SGB-Chefökonom: “Mindestlöhne: Bedeutender Handlungsbedarf”
- Alessandro Pelizzari, Regionalsekretär Unia Genf: “Le salaire minimum légal : Une mesure d’accompagnement nécessaire dans les régions frontalières”
- Danièle Lenzin, Co-Präsidentin syndicom: “Ein Gesamtarbeitsvertrag für die Medienschaffenden in der Deutschschweiz und im Tessin; höhere Mindestlöhne für die Buchhandelsangestellten”
Mindestlohn-Initiative lanciert: Dokumentation
Download Dokumentation Mindestlohn-Initiative, Januar 2011
Warum ein Mindestlohn gut ist: Berkeley-Studie zu Mindestlöhnen
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